Tagung im Kloster Höchst: Engagement und Kontemplation gehören zusammen

Foto (cc): Broken_Simulacra
Weit ist das Feld der kirchlichen Akteure, die sich für Klimaschutz engagieren. Verbunden sind sie durch das Anliegen der Bewahrung der Schöpfung und ihr Eintreten für globale Gerechtigkeit. Bei einer gemeinsamen Tagung der Entwicklungspolitischen Klimaplattform der Kirchen „Klima der Gerechtigkeit“, des Ökumenischen Prozesses „Umkehr zum Leben – Den Wandel gestalten“ und der Arbeitsgemeinschaft der Umweltbeauftragten der EKD-Gliedkirchen vom 20.-21.01.2015 im Kloster Höchst fragten die Teilnehmenden aus vielen kirchlichen Arbeitsbereichen nach den Zusammenhängen von Klimakrise und spiritueller Krise und nach den geistlichen Wurzeln und Kraftquellen des Engagements für Schöpfungsbewahrung.
In ihrem Einstiegsvortrag plädierte Altbischöfin Bärbel Wartenberg-Potter für eine neue Theologie im Zeitalter des Klimawandels: eine Theologie, die den Menschen stärker als Mitgeschöpf denn als Krone der Schöpfung betrachtet und die dazu ermutigt, die Heiligkeit in Gottes Schöpfung zu entdecken. Ihre Korreferentin, die katholische Theologin Vera Krause, betrachtete die Klimakrise als einen Kairos, einen Zeitpunkt notwendiger Umkehr, der in seinen Auswirkungen erschrecken lässt, aber auch Chancen des Neuanfangs jenseits einer Ideologie des Immer-mehr biete. Beide Theologinnen betonten die verändernde Kraft spirituellen Lebens, das sich gleichermaßen Gott und der Welt öffne. Dann auch könnten wir in unserem Innersten fühlen, was wir längst wüssten: dass Umkehr erforderlich sei.
Ein Gespräch mit dem Arbeiterpriester Thomas Schmidt, der viele Jahre als Betriebsrat in einem Versandhandel tätig war und ehrenamtlicher Priester im Frankfurter Brennpunkt-Stadtteil Gallus ist, konfrontierte den Anspruch einer spirituellen Erneuerung mit der Lebensrealität von Arbeitenden im Niedriglohnsektor, für die das Bedürfnis nach gesellschaftlicher Integration durch Teilhabe am Konsum lebensleitend sei. Schmidt berichtete von der dominierenden Logik des wirtschaftlichen Wachstums in Betrieben, die menschliches Zusammenleben durchdringe und sozial-ökologische Fragen zweitrangig werden lasse. Kirchengemeinden sollten Lernorte einer anderen, nicht-kapitalistischen Logik werden und Menschen ermutigen, sich der Durchdringung ihres Alltags mit dem Geist Christi zu öffnen.
Geistliche Übungen zur Kontemplation erprobten die Teilnehmenden der Tagung mit den Franziskanern Helmut Schlegel und Stefan Federbusch, die von ihren Erfahrungen berichteten, dass das Öffnen gegenüber der Verbindung mit Gott Menschen befähige, auch in Situationen von Hoffnungslosigkeit Hoffnung zu riskieren. Mitreißend zum Ausdruck kam eine solche Hoffnung trotz widriger Lebensumstände in Liedern aus Lateinamerika, die Bärbel Fünfsinn am Klavier vortrug. Die Theologin, Lehrerin und Musikerin ließ die Teilnehmenden zudem in der Gemeindearbeit einsetzbare Übungen erproben, die die Wahrnehmung für Gottes Wirken in der Schöpfung schulen.
Perspektiven aus dem Süden brachte Dr. Georg Stoll ein, der aus dem Projekt „Entwicklung des Weltgemeinwohls“ davon berichtete, wie sich Spiritualität in gemeinsam gelebten und bewahrten Hoffnungen (auf Teilhabe, Sicherheit, Anerkennung, gelungene Beziehungen) ausdrückt.
Nach vielfältigen Erfahrungen und Eindrücken der inspirierenden Tagung zogen die Teilnehmenden das Resümee, dass dem Beispiel Jesu folgend Kontemplation und Engagement zusammengehörten. Spiritualität dürfe jedoch nicht verzweckt werden, sondern sei vielmehr die Wurzel für Engagement, die Kraft schenkt und Gott im eigenen Leben wirksam werden lässt.

Ein besonderes Vorhaben im Herbst dieses Jahres versucht eben diese Verbindung von politischem Engagement und Spiritualität: Hervorgegangen aus einer Initiative der Entwicklungspolitischen Klimaplattform lädt ein breites ökumenisches Bündnis zu einem Pilgerweg für Klimagerechtigkeit ein, dessen Wegstrecke von Flensburg zur bevorstehenden Klimakonferenz in Paris führt.

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